Nah ist nur Innres; alles andere fern. (Rainer Maria Rilke) Medizinisch lautet die Diagnose Brustkrebs, verpackt in Stadien, Gewebearten und statistischen Prognosen. Subjektiv aber wirbeln die Gedanken im Kopf: Sterbe ich nun? Was kommt da auf mich zu? Warum ich? Was habe ich getan, dass ich gestraft werde? Angst macht sich breit - wie eine dicke, schwarze, undurchdringliche Wolke. Die Bedeutung von "Gesund leben" ändert sich mit der Diagnose. Gesundes Leben bedeutet jetzt nicht mehr frei von Problemen zu sein. Es bedeutet aber, fähig zu sein mit ihnen umzugehen. Auch - und besonders - in der Lebensphase "während und nach dem Krebs" sollte die Balance im eigenen Leben gefunden werden: Harmonie zwischen Körper, Seele und Lebensbedingungen. So kann die erkrankte Frau die Belastung des Alltags bewältigen. Die an Krebs erkrankte Frau wird nicht mehr ihrem Da-Sein-, sondern als Krebskranke in ihrem So-Sein gesehen. Alles steht auf dem Spiel. Oft wird die Frau reduziert auf Krankheitsverlauf - Zahlen, Fakten und Symptome. Das degradiert die Frau auf "funktionieren". Elvira Thiedemann (2002) beschreibt diese Situation: Ich hatte stets einen Namen, hier gab ich ihn ab an der Tür, wie all die andern, die kamen. Als Fälle nur sitzen wir hier. Der Doktor hat mich gespalten, hat mich in zwei Stücke geteilt, kann nun mit mir Zwiesprache halten, wie man Wunden schlägt und heilt. Die mit mir die Wartezeit teilen, schaun stumpf bis zum Seelengrund, kein Doktor kann sie heilen, ein Fall wird nicht gesund. Was diese Frau fühlt, wie sie sich fühlt, ob sie die Belastung überhaupt aushalten kann - danach fragt niemand. Manchmal nicht mal Freunde. An Krebs erkrankte Frauen müssen vieles lernen - mit der Perücke umzugehen, mit Brust-Prothesen und speziellem Badezeug zurecht zu kommen. Sie ganz besonders sollten lernen, sich trotz der gravierenden Änderungen zu lieben. Hautpflege von innen und außen ist wichtig, denn die Therapie belastet sie stark. Ernährung kann den Organismus dabei unterstützen, mit den Giften der Chemotherapie besser fertig zu werden. Und: Dabei muss keine Frau auf ihr Leibgericht verzichten! Damit kann es der Frau trotz der Erkrankung gelingen, die zu ihr passende Lebendigkeit zu erhalten. Und so über die existenzielle Krise hinaus Lebenszufriedenheit zu gewinnen. |
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