In Deutschland ist die Lebenserwartung neugeborener Mädchen in den letzten 100 Jahren von ca. 51 Jahren auf fast 83 Jahre gestiegen, die der neugeborenen Jungen von etwa 47 Jahren auf 77 Jahre.

Durch die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen hin zu einer demokratischen Gesellschaft haben die Menschen nicht nur mehr Lebenszeit zur Verfügung. Sie sind in hohem Maße für ihr Leben selbst verantwortlich, und durch den strukturellen Wandel der Gesellschaft gibt es eine Fülle von Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten. Neben den tradierten Lebensformen werden heute viele Strukturen akzeptiert, die vor wenigen Generationen noch völlig undenkbar waren.

Dies hat u.a. dazu geführt, dass das Alter der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes inzwischen bei durchschnittlich 30,7 Jahren liegt und mehr als 20.000 Neugeborene Mütter haben, die 40 Jahre oder älter sind (2011, Statistisches Bundesamt, www.destatis.de).

Unerfüllter Kinderwunsch

Das mit dem Kinderwunsch ist so eine Sache. Viele Menschen hätten gerne ein Kind - vielleicht, vielleicht sogar zwei. Aber irgendwie ist der richtige Zeitpunkt nie da. Gerade erst den Job gewechselt, doch noch ein Aufbaustudium. Irgendwann nähert sich die Frau dem 40. Geburtstag. Ist das noch ein guter Zeitpunkt für eine Familiengründung?

Durchorganisiert wird heute alles - Freizeit, Karriere, Partnerschaft. Eine Schwangerschaft zu planen bedeutet aber nicht nur, dass das Paar dem Kind ein gutes Zuhause bieten kann.

Die Frage ist: Wie verrückt müssen wir uns machen lassen wenn es nicht klappt wie geplant bzw. gewünscht? Wissen um die naturgesetzlichen Rahmenbedingungen und das Vertrauen in die eigene Kraft können helfen wenn biologische Fakten den persönlichen Wünschen entgegenstehen.

Wenn klar ist, dass der Kinderwunsch sich ohne medizintechnische Hilfe nicht erfüllen lässt, tauchen neben den praktischen Fragen zu Technik, Finanzierung etc. auch die Fragen nach Sicherheit bzw. Risiken und Verantwortungen auf.

Ist nach allem Bemühen das Wunschkind nicht gekommen, geht das Leben weiter - doch wie? Die Frau - der Mann - das Paar will eine neue Orientierung, neue Ziele, einen neuen Lebensinhalt.

Fehlgeburt

Den Kinderwunsch erfüllen - einen Traum verwirklichen. Mit dem positiven Schwangerschaftstest wird ein Gefühl Gewissheit: neues Leben beginnt! Doch was wird aus dem Kinderwunsch, wenn dieses neue Leben schon wieder geht, bevor es richtig angekommen ist? Dass eine Schwangerschaft auch verloren gehen kann, es zu einer Fehlgeburt kommt - wer denkt daran schon?

Der Verlust einer Schwangerschaft bedeutet für viele Frauen und Paare den Verlust ihres Wunschkindes. Nun sind naturwissenschaftliche Erklärungen für eine Fehlgeburt zwar sachlich richtig, aber sie sind kein Trost. Jede Fehlgeburt ist ein Trauma für die Eltern, für die Frau und auch für den Mann. Für beide hat das Kind bereits Gestalt angenommen und einen Platz in ihrem Leben bekommen. Jetzt ist es plötzlich verschwunden. Diesen Abschied gilt es zu bewältigen. Keine einfache Sache. Aber nur so kann für die Zukunft neuer Raum für weitere Kinder entstehen. Oder für andere Möglichkeiten, dem eigenen Leben einen tieferen Sinn zu geben, sowohl für die Frau als auch für den Mann und für das Paar gemeinsam.

Auffällige Pränataldiagnostik

2012 gab es im Rahmen der Schwangerenbetreuung zwei bemerkenswerte Neuigkeiten: für alle Schwangeren die systematische Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes und als IGeL-Untersuchung der „Bluttest auf Trisomie 21", der ab der 12. SSW durchgeführt werden kann.

Wird ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt so können eine Therapie durchgeführt und Folgeschäden für Mutter und Kind verhindert werden. Dagegen stellt der „Bluttest auf Trisomie 21" eine Frühdiagnostik von nicht mehr verhinderbaren Entwicklungsstörungen dar. Leider werden in der Öffentlichkeit die möglichen Störungen auf „Leben mit Down-Syndrom" reduziert und alle anderen Katastrophen, die durch diesen „Bluttest" (und andere Screening-Verfahren im ersten Schwangerschaftsdrittel) erkannt werden können, komplett ausgeblendet.

So werden manche Schwangere und ihre Familien, die davon träumen, ein lebendiges, gesundes Kind zu bekommen, mit der Nachricht konfrontiert, dass ihr Kind kaum oder keine Aussicht auf ein Leben außerhalb des Mutterleibs hat.

Sicher gab es immer schon verlorene Schwangerschaften. Aber keine werdende Mutter wusste im Voraus, dass ihr Kind nicht lebendig auf die Welt kommen wird, dass in ihr ein Sterbeprozess abläuft.

Einschneidende Lebensveränderungen wie verpasste Familiengründung oder Verlust des Wunschkindes bedeuten nicht nur den Abschied von einem Lebensplan, sondern auch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts, den es zu begrüßen gilt. Die Natur des Menschen ist vielfältig und schließt auch Lebensgestaltungen ein, für die es (noch) keine Modelle gibt.

Dieses Coaching-Angebot richtet sich an Frauen und Paare, ihre Familien, Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen und auch an die Berufsgruppen, die mit den Themen Familienplanung, Fehlgeburten oder Pränataldiagnostik befasst sind.

Weiterführende Informationen

EFA Pfingsttagung 2013: Gute Hoffnung und Medizintechnik – Traumpaar oder Alptraum?

Zu dem im Rahmen der Pfingsttagung gehaltenen Vortrag „Gute Hoffnung und Medizintechnik – Traumpaar oder Alptraum?" gibt es einen Essay, der in der Festgabe der Evangelischen Forschungsakademie – Andreas Lindemann zum 70. Geburtstag mit dem Titel „Überleben: Gabe und Aufgabe" erschienen ist.

„Überleben – das ist keine belanglose Feststellung von „Glück gehabt", sondern sollte verstanden werden als Gabe und Aufgabe. Menschen sollten sich den unvorhersehbaren Herausforderungen ihres Lebens stellen und lernfähig bleiben.

Die Vielfalt der Erkenntnis zu schützen und damit das Leben in Würde zu erhalten – auch das ist eine Gabe und Aufgabe zum Überleben unter den Bedingungen der Wahrnehmung einer sich kaum noch beherrschbaren Veränderung der Welt.

"Es bleibt bei mir ...
Er bleibt in meiner Entscheidung als schwangere Frau,
ob ich mich öffne für die Untersuchungen mit ihren ethischen Herausforderungen."
Friederike von Eckardstein

NIPT

 

Informationsbroschüren zu den Möglichkeiten der Pränataldiagnostik finden sich bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA

 

Warum Jagen wir Trisomie 21?